Bemerkenswerte Artenvielfalt am Grünen Band Hessen

Entlang des ehemaligen Grenzstreifens an der innerdeutschen Grenze wächst seit über 30 Jahren der größte Biotopverbund Deutschlands. 260 km dieser Lebenslinie liegen in Hessen und bieten - zusammen mit dem eigentlichen Grenzstreifen in Thüringen - Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Die geologische und geomorphologische Vielfalt des Grenzgebietes ist die Basis für die enorme Artenvielfalt am Grünen Band in Hessen. Durch die 40-jährige Abgeschiedenheit am östlichen Ende der Welt wurden in der Region niemals große Infrastrukturprojekte realisiert, und die Bevölkerungsdichte blieb gering. Diese natürlichen und historischen Faktoren haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich schutzwürdige Lebensräume entwickelten, die durch das geringe wirtschaftliche Interesse an den Flächen vorrangig als Schutzgebiete ausgewiesen wurden.

So erklärt sich die heutige Vielzahl und große Ausdehnung von Naturschutzgebieten, europäischen Schutzgebieten (Natura 2000) und Vogelschutzgebieten am Grünen Band in Hessen. Hinzu kommen großflächige Naturwaldreservate, die Urwälder von morgen, und das Biosphärenreservat Rhön. Schließlich umfasst das Grenzgebiet mit dem Raum zwischen Bad Sooden-Allendorf und Wanfried (Hotspot 17 Werratal mit Hohem Meißner und Kaufunger Wald) sowie der Rhön ganz im Süden (Hotspot 15) gleich zwei von insgesamt nur 30 Hotspots der Biologischen Vielfalt in Deutschland.

Die frühere Grenze zur DDR durchschnitt Wälder auf den durch Muschelkalk und Bundsandstein geprägten Höhenzügen ebenso wie die Auen des Werra- und Ulstertals. Auch die durch große Salzvorkommen geprägte Region zwischen Obersuhl und Philippsthal und die vulkanische Hügellandschaft der Vorder- und Kuppenrhön zerfielen in Ost und West. Die geschützten Biotoptypen entlang des ehemaligen Todesstreifens sind dementsprechend vielfältig: von naturnahen Buchen- und Eichenmischwäldern auf den Höhenzügen, über Trockenrasen auf den Kalkklippen, mosaikartige Kalkmagerrasen, Flachlandmähwiesen und Streuobstwiesen auf den Hängen, bis zu ausgedehnten Feuchtgebieten in den Auen und den tektonischen Salzsenken. Ein wahrer Schatz, den wir für die nächsten Generationen nicht nur bewahren, sondern vermehren wollen.